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Umsatzplus dank Musikstreaming

Musik wächst und steht nicht still Musik wächst und steht nicht still © U.P.images

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutet die Geschichte der Musik nicht nur die Geschichte der Schallaufzeichnung und -wiedergabe, sondern auch die Entstehung eines neuen Wirtschaftszweiges – der Plattenindustrie. Während u.A. der Millionenseller Enrico Caruso, ein italienischer Opernsänger, mit seinen bis dahin unerreichten Verkaufszahlen von „Vesti La Giubba" der Langspielplatte zum Erfolg verhalf 1, waren es neben künstlerischen Leistungen zum größten Teil die Einführung immer wieder neuer Tonträgerformate und Abspielgeräte, die ausschlaggebend für neue Ausblicke und Absatzchancen in der Musikindustrie und deren Teilnehmer waren.

Dabei gab es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Wiedergabeformate. Der Weg bis zum MP3-Format war ein langer. Mit der Entstehung der ersten Tonträger und deren Weiterentwicklung entstanden Strukturen und traditionelle Wertschöpfungsketten.

Das Ende physischer Tonträger und der Trendumschwung

Bevor die ersten Tonträger käuflich zu erwerben waren, mussten die Menschen Varietés, Kabaretts, Opern oder Konzerte besuchen, um Musik zu hören. Dies änderte sich mit der industriellen Fertigung der Schellackplatte und deren Weiterentwicklung. Ein neues Medium wurde geboren, welches den Leuten nun erlaubte, Musik zu Hause zu genießen und jederzeit darauf zuzugreifen. Aus dieser Möglichkeit ging 1948 die bis heute bekannte Langspielplatte (LP oder auch Vinyl) hervor, die für Künstler und Tonträgerhersteller bis Ende der 80er Jahre die ersten hohen Umsätze bedeuteten 2.

Die Musikkassette (MC) setzte schon früh einen Trend und den ersten Umbruch der Schallplattenindustrie. Bereits am 1.Juli 1979 ebnete SONY mit der Einführung seines tragbaren Walkmans „TPS-L2“ den Weg für mobile Musik. Die Schallplatte verlor immer mehr an Bedeutung für den Konsumenten 3 und existiert heute nur noch als Nischenprodukt mit einem verschwindend kleinen Umsatz.

Auch wenn manche aufgrund der Wachstumsraten in 2010 4 von einer „Renaissance“ der LP sprechen, so findet der größte Absatz sowohl für die Langspielplatte als auch für die Kassette heute wohl eher im Gebrauchtsektor wie auf Flohmärkten, Tauschbörsen o.Ä. statt.

Umsatzentwicklung der deutschen Musikindustrie 1984–2015 (in Euro)

Abbildung 1: Umsatzanteile der verschiedenen Tonträgerformate (Quelle: http://www.musikindustrie.de/fileadmin/piclib/publikationen/BVMI-2015-Jahrbuch-ePaper.pdf)

Der bemerkenswerteste Aufschwung gelang mit der Entwicklung der Compact Disc (CD). Sie ist bis dato das erfolgreichste und gleichzeitig wohl populärste Format. Sie speichert Musik im Gegensatz zu ihren Vorgängern nicht mehr analog, sondern digital ab und erreicht somit eine längere Abspielzeit. Waren die ersten CD-Abspieler noch sehr teuer, wurden sie mit der Zeit immer günstiger und jeder, der Musik genießen wollte, spielte die CD auf seiner HiFi Anlage ab. Nicht nur die Musikindustrie, sondern auch diverse Unternehmen der Elektronikbranche sowie der Handel profitierten von dem Erfolg der CD. Mit der Zeit fand man den CD Player in jedem Haushalt, denn die CD war mittlerweile nicht nur für Musik der Standard, sondern auch der Standard zum Speichern jeglicher digitalen Daten geworden und somit ein Laufwerk bald in jedem Computer fest installiert. Die Weiterentwicklung zur Digital Versatile Disc (DVD) ermöglichte eine noch höhere Datenmenge zu speichern und machte so auch den Film digital. Da die DVD - Spieler abwärtskompatibel sind, können auch CDs mit ihnen abgespielt werden. Aufgrund der großen Kompatibilität gelang es, über den Verkauf der CD in Deutschland einen Spitzenumsatz von 2.648 Milliarden Euro im Jahr 1999 zu erzielen 5. Dieses schaffte weder der Vertrieb von Musik auf der 8-Spur und der Schallplatte, noch der Verkauf von Musikkassetten. So verdrängte die CD die vorhergehenden Formate fast vollständig vom Markt und wurde zur zentralen Einnahmequelle der Musikindustrie und für die an der Wertschöpfungskette beteiligten Marktteilnehmer.

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Zukünftige Einnahmequellen von Recorded Music

War der Verkauf der CD bis 2003 bis zum Start der ersten Downloadportale die Haupteinnahmequelle der Musikindustrie, änderte sich dies mit dem Bedürfnis der Konsumenten nach digitalen Formaten. So kamen immer zahlreichere Arten des Musikkonsums hinzu, die sich gegenwärtig beweisen müssen, woraus sich derzeit eine Mischform zweier Formate ergibt. Eine Erhebung durch den Bundesverband Musikindustrie e.V. zeigt den Gesamtumsatz des Musikmarktes anhand der einzelnen Teilbereiche sowie die Anzahl der Beschäftigten in Musikfirmen und verdeutlicht die gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Musikindustrie.

Während die physischen Tonträger 2010 mit noch 86 % den größten Teil der Umsätze ausmachen, nimmt der Umsatz der digitalen Einnahmequellen stetig zu. Der Verkauf von digitaler Musik weist eine sehr hohe Wachstumsrate von 17,5 % seit 2004 auf. Der Umsatz mit physischen Produkten hingegen wird von Jahr zu Jahr immer schwächer, was einen mitbestimmenden Grund für den Rückgang der Beschäftigten in den Musikfirmen darstellen dürfte. Insbesondere der Einbruch der CD-Verkäufe (vgl. Abbildung 1) nach 2001 bedeutete die Entlassung von Mitarbeitern, doch die Beschäftigung pendelt sich allmählich aufgrund der zusätzlichen Einnahmequellen wieder ein. Die Umsätze an Leistungsschutzrechten erfahren ebenfalls jedes Jahr einen leichten Anstieg. Ein großer Zuwachs ist hier mit 16,5 % in 2009 festzustellen. 

Der größte Umsatz im Bereich "digital" wird derzeit mit dem Verkauf der Downloads gemacht. Während die mobile Realtones und Ringback-Tunes immer mehr an Bedeutung verloren haben, machen sich neue Geschäftsfelder in Richtung Aufschwung. Der Download von Musikvideos hingegen ist verschwindend gering, nimmt immer weiter ab und wird laut GfK schließlich zum Nischenprodukt. In Deutschland ist der Handel mit Tonträgern auch 2015 für 60 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Während sich die Streaminganbieter 2010 noch konstant hielten und nur für einen geringen Teil der Umsätze verantwortlich waren, werden diese nach derzeitigen Prognosen den wohl bedeutensten Anstieg erfahren. Streamingdienste bescherten der Branche nach Angaben des BVMI im letzten Jahr ein Umsatzwachstum von 4,6 Prozent. Anders als bei Anbietern von Streamingdiensten wie Spotify, Apple Music, Deezer oder Napster werden die Inhalte auf YouTube auch von Nutzern hochgeladen. Hier müssen dringend die Gesetze eingehalten werden, die Anbieter wie YouTube dazu zwingen, Lizenzen zu erwerben.

Die Zukunft der Monetarisierung digitaler Musikinhalte im Bereich der Download- und Streamingangebote bieten bei einer erwarteten Verdopplung der Umsätze enorme Wachstumschancen und lassen die Musikfirmen auf das Ende der Talfahrt hoffen.

Quellen:

1 vgl. Murrells, J., 1986, Million Selling Records from the 1900s to the 1980s: An Illustrated Directory, Arco Pub, S. 14.

2 vgl. DPU Investment GmbH 2010, Geschichte der Tonaufzeichnung [online], Berlin, Available from: http://www.tonaufzeichnung.de/ [Accessed: 18.2.2016].

3 vgl. SONY 2011, Historie [online], Available from: http://www.sony.de/hub/unternehmen/8 [Accessed: 16.8.2011].

4 vgl. Bundesverband Musikindustrie e. V 2011, Umsatzanteile der physischen Tonträger 2011 [online], Available from: http://www.musikindustrie.de/uploads/media/Abb2-umsatz-tontraeger.jpg [Accessed: 1.10.2011].

5 vgl. Bundesverband Musikindustrie e. V. 2009, Musikindustrie in Zahlen 2008, BVMI, Berlin, S. 9.

6 Bundesverband Musikindustrie e. V 2011, Gesamtumsatz aus Musikverkauf und Beschäftigte 2011 [online], Available from: http://www.musikindustrie.de/jwb-umsatz-10/ [Accessed: 10.9.2011]).

Letzte Änderung am Freitag, 04 November 2016 10:10

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2 Kommentare

  • Simon

    gepostet von Simon

    Mittwoch, 05. Oktober 2016 21:15

    Vielen Dank für den tollen Überblick. Erst vor wenigen Wochen kam die Meldung, dass Spotify mittlerweile über 40 Mio bezahlte Kunden hat. Die Entwicklung ist schon erstaunlich, wenn man an die Anfänge via Napster denkt.

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  • M.

    gepostet von M.

    Samstag, 16. Juli 2016 01:32

    Guter Überblick über die Musikwirtschaft

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